Fred Frohofer von Neustart Schweiz war am Freitag, 21. Januar 2022 bei uns zu Besuch und hat ein Referat gehalten zum Thema „Wie wollen wir wohnen und leben auf der Sonnhalde“. Der Input wurde aufgezeichnet und kann über den Link nebenan nachgeschaut werden.
Ausgehend von den fünf grössten Krisen mit denen die Menschheit konfrontiert ist (Erhitzung des Klimas, Verlust der Artenvielfalt, Übernutzung der Ressourcen, Blasenbildung im Finanzsystem, massive Ungleichheit beim Wohlstand), zeigt Fred Frohofer in seinem Referat auf, wie eine Nachbarschaft als Commons die Lebensqualität steigern und gleichzeitig die planetaren Grenzen respektieren kann. Fred nimmt uns mit auf eine Gedankenreise rund um alternative Wohnmodelle und öffnet dabei die Grenzen der für uns gängigen, bekannten Welt des Wohnens und Lebens.
Wie in seinem aktuell erschienen Buch «Die Ökonomie der kurzen Wege» ebenfalls erläutert wird, besteht die Wirtschaft nicht nur aus der Marktwirtschaft, in welcher hauptsächlich das produziert wird, was am effizientesten herzustellen und am teuersten zu verkaufen ist, und der Staatswirtschaft, sondern zu einem überwiegenden Teil (55%) aus der Bedarfswirtschaft (auch Subsistenzwirtschaft genannt). Darin enthalten sind alle Tätigkeiten, welche der Sorgearbeit gelten (Essen zubereiten, Kinderbetreuung, Pflege von alten und kranken Personen) sowie den Haushalt in Schuss halten oder ehrenamtliches Engagement. Diese entspricht der in früheren Zeiten gelebten «HausHaltung» als Kreislaufwirtschaft und Ökonomie der kurzen Wege und könnte, im Sinne eines Commons, Inspiration sein für ein enkeltaugliches Zusammenleben. Commons bezeichnen selbstorganisiertes und bedürfnisorientiertes Produzieren, Verwalten, Pflegen und/oder Nutzen von Ressourcen durch eine Gruppe von Menschen. Sie sind wie bereits gesagt, jenseits von Markt und Staat oder Privateigentum. Diese Lebenswelt zeichnet sich aus durch gemeinsam genutzte Flächen und Ressourcen, durch das Wahrnehmen von sozialer und kultureller Verantwortung, durch Teilen, statt selbst zu besitzen, durch «weniger ist mehr».
Es wird offensichtlich, wie sich die dadurch freiwerdende Zeit füllen kann mit Leben, Beziehungspflege zu Nachbarn und Produzenten und gemeinsamer unbezahlter Tätigkeit in einem nicht kommerziellen Raum. Ideen sind viele vorhanden. Eine FoodCooperative, welche die gemeinsamen Grosseinkäufe direkt vom Produzenten organisiert. Mithilfe einer Zeittauschbörse wird unentgeltliche Hilfe geleistet, gegen eine Zeitgutschrift die später eingezogen werden kann. Eine solidarische Landwirtschaft wie z.B. das Radiesli in Worb, welches gesunde, zu fairen Bedingungen und Preisen Lebensmittel produziert. Dies sind ein paar Beispiele wie die Ökonomie der kurzen Wege die Lebensqualität von uns allen steigern kann.
Fred gibt uns Einblicke in die Welt des genossenschaftlichen Wohnens und in zukunftsfähige Lebensmodelle. Viel Spass beim zuhören.